
Ackerwinde im Weizen
Diese Worte von Papst Schenuda III. – 116. Nachfolger des hl. Markus und Patriarch der koptischen Kirche - haben mich nachdenklich gemacht:
Deine Arbeit ist es nicht, das Unkraut auszuziehen, sondern zu wachsen wie der Weizen. Wenn der Ackerbauer kommt, wird er die Ähren seines Weizens voll vorfinden, und er wird dreißig-, sechzig- und hundertfältig auflesen, bis seine Scheunen mit Weizen voll sind.
Unser Herr Jesus hat niemals seine Zeit verschwendet, um sich Fehlern seiner Zeit zu widersetzen.
Er verbrachte die Zeit seines Lebens auf der Erde nicht damit, gegen fehlerhafte Menschen zu kämpfen oder sich mit den Problemen der Gesellschaft und der Kirche zu beschäftigen. Er kümmerte sich um den Aufbau, die Grundlegung neuer Prinzipien und bereitete die Menschheit darauf vor, an sie zu glauben und sie überall zu verbreiten.
Es ist eine Verschwendung von Kraft, darin aufzugehen, das Unkraut aufzulesen.
Der Teufel ist ständig bereit, dich mit den verschiedensten Problemen zu beschäftigen, und gibt dir unzählige Fehler. Sein Hauptziel besteht darin, dich durch den Kampf gegen diese Fehler am Aufbau deiner Person und des Reiches Gottes zu hindern, und in diesem Kampf vertreibt er deine Kräfte und Nerven.
Indem du das Unkraut herauszupfst, kannst du deinen inneren Frieden verlieren und möglicherweise auch den Frieden mit deinen Mitmenschen; es ist, als wenn du in einem ständigen Kampf leben würdest.
So wirst du deine Ruhe und Heiterkeit verlieren und möglicherweise auch deine Demut. Diese Probleme können eine Atmosphäre von nicht aufhörenden Störungen und Differenzen schaffen, die dich immer in Aufregung halten und mit dauerndem Ärger umgeben.
So, wie du deine Ruhe und Sanftmut verlierst, kannst du auch deine Fröhlichkeit verlieren. Deine Mitmenschen werden dich immer verdrießlicher ohne ein Lächeln sehen, Ärger und Sorge werden Macht über dich haben, und möglicherweise wirst du sie sogar akzeptieren als heiligen Ärger und heilige Sorge um Gottes Willen.
Das könnte dein Herz hart machen. Menschen, die etwas Falsches tun, wirst du ständig verurteilen. Du wirst dich gegen ihre Fehler auflehnen und dich damit entschuldigen, du rissest nur das Unkraut aus. Du wirst immer gereizt sein und laut werden, wirst tadeln und die Leute anschreien und dich über alles ärgern.
Über all diesem wirst du die Liebe zu deinen Mitmenschen und deine Sanftmut verlieren. Wenn du also das Unkraut bei anderen ausziehst, wirst du womöglich auch den Weizen, der in dir ist, mit ausrupfen. Deine Mitmenschen werden dich in jeder Hinsicht als Unkraut betrachten.
Es gibt nur wenige, die Unkraut ausrupfen können und zugleich ihren Weizen schonen. Deshalb ist es gut, dass Gott seine Kinder daran gehindert hat, das Unkraut auszurupfen, aus Angst, sie könnten auch den Weizen mit ausziehen.
Mit Recht heißt es in der Bibel: Widerstehe nicht dem Bösen.
Am besten kann Unkraut durch ein gutes Beispiel beseitigt werden, so wie der Weise sagte: “Anstatt die Dunkelheit zu verfluchen, zünde eine Kerze an!”
Quelle: Worte zum geistigen Gewinn , Teil 1, von S. H. Papst Schenuda III., Abbassia Kairo-Ägypten 1993, S. 21 f.
