
Erhabene Offenbarung über beständiges Leiden und Sterben, das Jesus sein ganzes Leben hindurch für die Seelen erduldete
Wie der göttliche Wille die Haupttriebkraft des menschlichen Wirkens sein muß
(4. Februar 1919)
Jesus hat zu mir sehr liebevoll gesprochen:
“Siehe, meine Tochter, mit welchem Übermaß der Liebe ich die Menschheit liebte! Meine Gottheit ließ mich sovielmal leiden und sterben, als menschliche Wesen waren, sind und sein werden; sovielmal, als diese das Unglück hatten und haben werden, schwere Sünden zu begehen. Die Gottheit verlangte Leben für jedes menschliche Leben, und Leben für jeden seelischen Tod, der durch die Todsünde erlitten wurde. Glaube nun nicht, meine Tochter, daß dieser Anspruch meiner Gottheit, mich jeden Augenblick eines leidvollen Todes sterben zu lassen, erst im späteren Verlauf meines Lebens erhoben wurde. Nein, sie forderte ihr Recht schon im Augenblick meiner Empfängnis im Schoß meiner Mutter. Aber auch sie wußte um mein Leiden [nach Maria von Agreda hatte die Gottesmutter das Vorrecht, die Akte der Seele Jesu zu schauen. - Anm. d. Hrsg.] und fand darin ihr Martyrium, indem sie meinen Tod im Verein mit mir erduldete [es handelt sich hier um den mystischen Tod Jesu und seiner Mutter zu ihren Lebzeiten. - Anm. d. Hrsg.] So übte meine Gottheit vom ersten Augenblick meines menschlichen Daseins an das Amt eines liebevollen, aber gerade deshalb umso anspruchsvolleren und unerbittlicheren Peinigers aus, und zwar so, daß mir nicht eine einzige der Qualen meiner Passion erspart blieb. Ja, die Passion, die mir die Geschöpfe am letzten Tag meines Lebens bereiteten, war, wenn auch ein grausamer Abschluß meiner Leiden, immerhin nur ein Schatten dessen, was mich die Gottheit im Laufe meines sterblichen Lebens erleiden ließ. Ermiß nun, wie sehr ich die Seelen liebe! Sie kosteten mich unzähligemal das Leben, und die Leiden, die ich für sie erduldete, sind für den menschlichen Geist unfaßbar.”
Als Jesus dies gesagt hatte, war es mir, als sähe ich die Gerechtigkeit Gottes, wie sie Throne errichtete für einen jeden Menschen, für den mein lieber Jesus sich verantworten, die Buße übernehmen, leiden und sterben, ja, wie ein zartes Lamm von den Händen der göttlichen Gerechtigkeit geschlachtet werden sollte, um wieder aufzuerstehen und von neuem den Tod zu erleiden. Mein Gott, mein Gott, welch herzzerreißende Qual! Sterben, um wiederaufzuerstehen, und dann sich aufs neue der Qual des Todes unterwerfen.
Sodann für Jesus fort:
“Meine Tochter, mein Wille muß in dir sein wie das Triebrad eines Uhrwerks. Geht es, dann gehen auch alle anderen Räder, und wenn die Uhr die Stunden und Minuten anzeigt, so ist das nur der Bewegung des Triebrades zu verdanken. Steht es aber still, dann steht auch das ganze Uhrwerk still. So muß auch in dir mein Wille das Triebrad sein, das allen deinen Gedanken, allen deinen Wünschen, allem Sehnen deines Herzens, allen deinen Werken den Antrieb gibt. Sei darauf bedacht und bedenke, daß deine Aufgabe groß, ja göttlich ist.”
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In dem Augenblick, da Jesus empfangen wurde, opferte er sich für alle Seelen auf und übernahm für jede einzelne Leiden und Tod
(18. März 1919)
Mein liebenswürdiger Jesus zog mich in die Unermeßlichkeit seines heiligsten Willens hinein und ließ mich in ihm den Akt seiner Empfängnis im Schoß seiner Mutter schauen. Mein Gott, welch ein Abgrund der Liebe!
Sodann sprach er:
“Tochter meines Willens! Komm und nimm teil an dem ersten Leiden und an dem ersten Tod, den meine Menschheit nach dem Willen meiner Gottheit im Augenblick meiner Empfängnis erduldete. Als ich empfangen wurde, empfing ich auch alle Seelen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wie mein eigenes Leben, empfing damit alle Leiden und den Tod, den ich für jeden einzelnen auf mich nehmen sollte. Ich hielt es für notwendig, mir die Seelen, die Leiden, den Tod gleichsam einzuverleiben, die jeder Mensch erdulden sollte, um zum Vater sprechen zu können: ‘Mein Vater, schau nicht mehr auf die Geschöpfe, sondern auf mich allein. In mir findest du alle, und ich will genugtun für alle und mich allen Leiden unterziehen, die im Ratschluß deines Willens liegen. Willst du, daß ich für jede einzelne Seele sterbe? Ich bin bereit. Alles nehme ich an, nur um allen Leben geben zu können.’ So waren göttlicher Wille und göttliche Macht erforderlich, für so viele leiden und sterben zu können. Und da mein Wille in einem einzigen Akt alle Seelen und alle Dinge umfaßt, nicht als bloßes Gedankenbild, sondern als Wirklichkeit, so umschloß ich alle Menschen als eins mit mir, starb für jeden einzelnen und litt für alle. Wahr ist, daß dazu ein Wunder meiner Allmacht wie meines unbeschränkten Willens erforderlich war. Ohne meinen göttlichen Willen wäre meine Menschheit nicht imstande gewesen, alle Seelen zu umfassen, sie gleichsam zu umfangen und für jeden einzelnen zu sterben.” Quelle: Das Reich des göttlichen Willens. Größe des Menschen im Reich des göttlichen Willens. Offenbarungen der göttlichen Weisheit an eine Einsiedler-Seele. Autorisierte Übersetzung aus dem Italienischen von P. Beda Ludwig O. S. B. überarbeitet von Eduard J. Huber, Gaming (Ö.) 2000, S. 52 f. – ISBN 3 85353 026 5 – Imprimatur: Ratisbonae, die 6. Maji 1936, Ad. Num. Exh. 4455, Dr. Höcht Bestelladresse: Verlag Salvator Mundi, A-3292 Gaming, Kartäuserstraße 2, Österreich